Akuter Fahrpersonalmangel bei Busunternehmen gefährdet Verkehrswende (16.11.21)


Kiel. Der Linien- und Schulbusverkehr in mehreren Landkreisen Schleswig-Holsteins ist aktuell spürbar betroffen von vielerorts nicht ortskundigem oder schlicht nicht vorhandenem Fahrpersonal. Insbesondere in Tourismus-Hochburgen, aber auch ganz generell im ländlichen Raum leiden die Busunternehmen spürbar unter einer zunehmenden Fahrpersonalknappheit. Das führt unmittelbar dazu, dass bereits heute in manchen Regionen ein zuverlässiger ÖPNV und Schülerverkehr nicht mehr durchgehend zuverlässig gewährleistet werden kann.

„Wir registrieren schmerzhafte Abwanderungstendenzen nicht nur hin zum mit besseren Arbeitsbedingungen ausgestatteten städtischen Verkehr, sondern aufgrund des überall grassierenden Fachkräftemangels auch in ganz andere Branchen. Allerdings musste man auch kein Prophet sein, um schon vor Jahren diese eklatante Mangelsituation vorherzusehen. Denn die von den kommunalen Aufgabenträgern vorgegebenen Arbeitsbedingungen für das Fahrpersonal haben sich über die Jahre immer mehr verschlechtert und haben nun, vielerorts infolge einer eigentlich im Sinne der Verkehrswende notwendigen massiven Angebotsausweitung der Verkehrsleistung einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wir werden auf Sicht kein neues Fahrpersonal mehr für den Linien- und Schulbusverkehr gewinnen können, wenn wir nicht sehr schnell die Arbeitsbedingungen so anpassen, dass die Bruttoarbeitszeit auch annähernd der bezahlten Nettoarbeitszeit entspricht. Insbesondere im ländlichen Raum sind die sog. geteilten Dienste längst nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Dies führt vielfach dazu, dass dem Fahrpersonal innerhalb der Arbeitsschicht eine unbezahlte Pause von mehreren Stunden zugemutet wird, weil die kommunalen Aufgabenträger üblicherweise nur die Zeiten vergüten, in denen auch tatsächlich gefahren wird“, so OVN-Vorsitzender Klaus Schmidt.
 
Schmidt weiter: „Bei allem Verständnis für die gewünschte Mobilitätsanbindung auch der Dörfer warne ich ausdrücklich davor, die knappe Ressource Fahrpersonal an den falschen Stellen einzusetzen. Wir müssen nicht jeden Feldweg im Stundentakt abfahren, sondern sollten stattdessen lieber die Hauptachsen stärken und eine zuverlässige Bedienung gerade auch des Schülerverkehrs sicherstellen. Was in jedem Fall bleibt, ist die Erkenntnis, dass das zunehmend fehlende Fahrpersonal die klimapolitisch gewünschte und notwendige Verkehrswende massiv gefährdet, wenn wir nicht zügig gegensteuern. Dies gilt im Übrigen auch für die als Mobilitätsproblemlöser gehypten alternativen und bedarfsorientierten Bedienformen, wie z.B. Anrufsammeltaxis oder den Rufbus. Wer heute glaubt, künftig ausreichend Fahrpersonal zu finden, das zuhause geduldig auf vergütete Einsatzzeiten wartet, der irrt.“


Kiel, den 16.11.2021